Seismographen der Freiheit

Allgemein

Heute war ich den halben Tag nicht bei der Sache, weil Terroristen französische Satiriker umgebracht haben. Nach dem ersten Schock kam dumpfes Nichts, während ich mir die Solidaritätswelle im Netz anschaute. Aber warum eigentlich, Schock, Solidarität? Was macht Satire eigentlich unverzichtbar?

Klar, die “Titanic”, Deutschlands einziges Satiremagazin, sollte eigentlich jeder lesen. Sie bildet, macht passable Peniswitze (teils über Religionen) sie geißelt die Eitlen und rebelliert für die Schwachen, nebenbei schilt sie Sprachschludereien, sie ätzt, albert und lärmt – wie kann man das denn nicht lieben? Tatsächlich lieben sie aber sehr viele nicht. Bedauerlich und auch geil elitär. Aber wertvoll? Ist Satire wertvoll?

Ist sie. Satire ist nicht nur witzig, ist auch nicht nur Ventil in einem grauen durchstaatlichten Kapitalismusscheißsystem oder literarisches Kaprizenkarussel, auf dem ein paar Exzentriker um das vermeintlich angepasste Leben kreisen. Satiriker rüpeln und sticheln gegen jeden, überschreiten Grenzen, sind albern, gemein und verletzend. Ihr Antrieb ist vergorener Idealismus, ihr Kreuz ist ein Leben ohne Gleichmut und Glück. Satiriker sind die Seismographen der Freiheit. Sie sind am weitesten vorn, weit vor den anderen, sie spüren es zuallererst, wenn Menschen mit Gewalt auf Wort und Strich reagieren. Dann dröhnen die Sirenen.

Und Junge, wie die Erde bebt.

‪#‎jesuischarlie‬

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