Guttenbergs Doktorarbeit: Straf- und Sprachtaten

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Tag 2 in der Schummelrepublik Deutschland.

Ist ja nun fast alles zur Katastrophe KT aufgeschrieben: Die Studenten sind desillusioniert, Integrität als Leitmotiv der Politik abgelegt, Lügen ministrabel, usw.

Eines aber fehlt: Eine Notiz zum Sprachstil des Plagiats.

(Zum Thema Relevanz. Ich höre immer „Denk mal an Libyen.“ Ja, ich denke an Libyen: Die arabische Krise wird uns noch im nächsten Jahrzehnt beschäftigen, es ist ein zeitgeschichtliches, ein echtes Weltereignis. Aber ich bin eigentlich ganz froh, dass die Medienöffentlichkeit mehr als nur ein Top-Thema verträgt. Und deshalb geht es hier nochmal um KT.)

Die Änderungen in der ehemaligen Doktorarbeit sind sprachlich nämlich durchweg Mist. „Sein“ Text verstößt gegen mehrere anerkannte Stilregeln, was ich der Bequemlichkeit und Zeitnot halber nur an einem Beispiel von Spiegel Online aufzeigen will.

In den dort gegenübergestellten Fundstücken wird ohne Not

lateinisiert:

„im nachhinein“ zu „ex post“,

„Notwendigkeit“ zu „Maxime“,

„stellt … ab“ zu „rekurriert“,

„war eine andere“ zu – mein persönlicher Liebling – „war demzufolge differierend“

verschwurbelt:

„notwendig“ zu „unumgänglich“,

„europaweiter Öffentlichkeit“ zu „europaweite bzw. europäische Öffentlichkeit“,

(merke: „bzw.“ ist nahezu immer eine sinnlose, weil weder „und“ noch „oder“ meinende Verbindung)

aufgeplustert:

„Begriffe“ zu „Begrifflichkeiten“

„Lauf“ zu „Verlauf“

in Bürokratensprech übersetzt:

„hinsichtlich“ zu „betreffs“

anglizisiert:

„Zusatzartikel“ zu „Amendment“

Ein Überfliegen der Exzerpte in der „Kritischen Justiz“ (PDF) zeigt, dass es so immer weiter gehen könnte.

Die Änderungen führten in diesem Minibeispiel nicht zu einer einzigen stilistischen Aufwertung. Die Änderungen waren fast immer nicht inhaltlicher Art. Sie reichten auch nicht aus, um als eigene urheberrechtlich zulässige Leistung gelten zu können.

Und damit kommen wir von Sprache zu Strafe.

Das offensichtlich nicht von Stilbewusstsein geleitete, sinnfreie Ändern zeigt nämlich aufs Schönste, dass es sich um ein vorsätzliches, urheberrechtswidriges und damit strafbares Verhalten handelt.
KT, ein Straftäter? KTs Rhetorik ist eigentlich bewundernswert. Guttenberg meidet Behördenblabla und Dummdeutsch, er ist ein echter AC/DC-Minister. Nein, er war das nicht, nicht eigenhändig.

Es war sein schweigender Lakai, der es nicht so mit gutem Stil hat. Das rettet KT freilich nicht vor der Strafbarkeit – denn dafür genügt auch die Anstiftung zum Plagiat (§§ 106 UrhG, 26 StGB). Bis jemand den Ghostwriter zum Reden bringt, ist das leider alles graue Theorie.

Das Angebot mit dem Bier steht noch – ich erhöhe sogar auf ein Herrengedeck.

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