Jagt zu Guttenberg aus dem Betrieb!

Allgemein

Ich komme aus Norddeutschland und bin auch sonst der CSU reichlich fern. Aber ich mochte diesen „KT“. Für viele seiner guten Eigenschaften, jeder kennt sie. Diese Sympathie hielt vielem stand: Seine umstrittene PR-Aktion in Afghanistan – ich habe applaudiert. Kunduz-Affäre und Gorch Fock – nicht seine Schuld!

Aber jetzt hat Guttenberg gelogen. Er hat einfach in viele viele Mikrofone hineingelogen, um sich Macht und Ansehen zu erhalten. Er hat geschummelt, „beschubst“, wie es bei meinen Großeltern immer hieß.

Und er hat verdammtnochmal seine Dissertation nicht selbst geschrieben. Der Idiot, der es für ihn getan hat, kann’s nur nicht sagen – er würde sich als zweitgrößten Dummkopf der Nation an den Pranger ketten, seine Karriere wäre beendet.

Im Schatten der Feuer von Tripolis und Bengasi

Nun also glitscht Guttenberg seinen Häschern durch die Finger. Im Schatten der Feuer von Tripolis und Bengasi stiehlt sich einer davon, dem noch viele glauben. Vor allem alle, die mit der Welt der „feinen Herren Doktoren“ nichts zu tun haben, bei denen Akademiker Sozialneid und Adelige ein diffuses Wohlgefühl hervorrufen.

Und das wird klappen. Denn KT hat ein Händchen für Krisen-PR. Niemand konnte Däumchen drehen, bis die zwei Wochen rum sind, die Bayreuth in einem Anfall von Großmut dem Lügen-Baron gewährt hat.

Der Rückzug war verdammt geschickt. Und früh eingefädelt. „Vorübergehend“ – wisst ihr noch? – wollte KT den Titel zurückgeben. Da stand alles bereits fest: Der totale Rückzug. Denn kein Kommentator der großen Medien würde ihn an diesem Wörtchen lautstark festhalten wollen – das hätte nämlich kleinlich gewirkt: Jaja, den Titel gibt er zurück, aber he Leute, hatte er nicht „vorübergehend“ gesagt?

Pfff!

Zugleich konnte KT sich mit dem Wörtchen kämpferisch zeigen, medial ins Volk hineinwirken. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon ein Wörtchen mit seinem mutmaßlichen Ghostwriter gewechselt haben wird – und geahnt haben muss, dass es vorbei ist.

Ach lieber Ghostwriter

Und dieses Timing! Dieses phantastische Timing! Die erste „Bild“-Ausgabe für Dienstag war schon raus (SPD, Gaddafi, „Lucy“), Mittwoch ist das Thema schon so kalt, dass man es den Lesern nicht mehr berichten muss. Vielleicht noch eine Hämorrhoidengeschichte zur Ablenkung und ein paar Blutbadbilder aus Libyen, KT wird als kleine Meldung zwischen Aufmacher und ein paar Titten gedrängt – fertig. Raus. Feierabend.

Ach lieber Ghostwriter. Meld dich doch mal bei mir, ganz off the record. War doch nicht so gemeint, mit Idiot und Dummkopf. Ich sag auch nichts, ich gebe Dir mein Ehrenwort, ich wiederhole: mein Ehrenwort! Kleine Mail an hendrikwieduwilt ät gmail.com, wir treffen uns in der linkesten Kneipe, die Kreuzberg zu bieten hat, wo sich kein Unionspolitiker bei klarem Verstand hineintraut. Du, ich, Diktiergerät – Bier geht auf mich.

Und dann erzählst du einfach mal. Hm?

Im Übrigen: Natürlich könnte meine Wut auch damit zusammenhängen, dass ich mich grad tatsächlich und selbst mit über 1000 Fußnoten abquäle. Zweifel, Fleiß, Verzicht, Kopfschmerzen, Wut, Frust, Euphorie, Grübelei, Diskussionen, Abfuhren, Unfälle, Zettelchaos, Stichwortsalat, Mindmaps, Hunderte von PDF-Dateien, Versuche, Gliederungen, Umgliederungen, Prokrastination, Gewissensbisse, Isolation, nochmal Zweifel, knapp 100 abgespeicherte Versionen – ich bin mitten drin, Guttenberg, ich beiße mich durch diese Scheiße gerade durch.

Und du?

Hast dir ziemlich viel davon gespart. Und das Referendariat haste dir auch gespart, hat die F.A.S. aufgeschrieben.

Jagt ihn aus dem Betrieb

Ich hoffe, die Opposition macht einen richtig guten Job. Ich hoffe, kritische Medien machen einen richtig guten Job. Fragen dir und deiner Umgebung Löcher in den Bauch, schnüffeln dir den Schweiß auf die Stirn.

Ich drücke sogar der Linken die Daumen, und das, Guttenberg, ist ziemlich genauso wenig meine Partei wie die CSU. Aber du hast in der Politik erstmal nichts verloren. Mach mal Urlaub. Bist erst 39. Nimm dir Zeit. Zum Beispiel für Referendariat. Für eine Dissertation.

Und zum Bedauern.

 

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19 Gedanken zu “Jagt zu Guttenberg aus dem Betrieb!

    1. Das Phänomen „Guttenberg“
      Offensichtlich kommt die Moral von der Geschicht‘ bei den deutschen Politikern bisher nicht an.
      Das deutsche Volk sehnt sich nach einem neuen Typus Politiker. Einem Politiker mit hohen moralischen Ansprüchen sowie Gestaltungswillen und –fähigkeit. Deshalb fand und findet Herr zu Guttenberg so viel Sympathie und deshalb lässt sich die Öffentlichkeit auch so leicht manipulieren.
      Nun will die Mehrheit, die so viel Hoffnung in diesen Menschen gesetzt hat, von diesem Hoffnungsträger nicht so einfach ablassen, denn was wäre die Alternative?
      Eine Bundeskanzlerin, die von einem wissenschaftlichen Assistenten mehr Moral und Anstand verlangt als von einen Bundesminister?
      Fassen wir zusammen:
      I. Herr zu Guttemberg hat als Wirtschaftsminister den Opeldeal so gestaltet, dass der deutsche Steuerzahler die Sanierung von GM mit Darlehen und Bürgschaften abgesichert hat und GM dann ohne Konsequenzen aus dem Deal –Verkauf von Opel- aussteigen konnte.
      Als Wirtschaftsminister Note ungenügend.
      II. Herr zu Guttemberg als Verteidigungsminister
      • zog Konsequenzen aus seinem Zickzack-Kurs in der Frage des Angemessenheit des Bombenangriffs von Kundus indem er einen Staatssekretär und den Generalinspekteur entliess.
      • versäumte es mehrfach den Verteidigungsausschuss rechtzeitig und vor dem Wehrbeauftragten über wichtige Vorkommnisse in seinem Ressort zu informieren.
      • reagierte nach dem Tod der Kadettin auf der Gorch Fock nicht und suspendierte den Kapitän nicht etwa, wie es angemessen gewesen wäre sofort nach dem Vorfall oder gar nicht, sondern erst 2 Monate nach dem Ereignis.
      • führt eine Bundeswehr-Reform durch, bei der Experten zweifeln, ob es zu einer tatsächlichen Kostenersparnis kommt und fraglich ist, ob diese Reform an Bedrohungsszenarien oder Generalsplanstellen orientiert ist.
      Als Verteigigungsminister Note ungenügend.
      III. Herr zu Guttemberg als Akademiker
      • schliesst sein Jurastudium mit dem ersten Staatsexamen und damit ohne die Qualifikation zum Richteramt und zur Ausübung des Anwaltsberufes ab. Als Ersatz für die fehlende Qualifikation promoviert er.
      • erhält für seine Dissertation durch die Universität Bamberg den Doktortitel mit der Note „Summa cum Laude“.
      • Baut in seine Arbeit erhebliche Teile ein, die NACHWEISLICH nicht sein geistiges Eigentum sind, er aber weist diese Teile dennoch als sein geistiges Eigentum und seine Leistung aus.
      • Hat der Promotionsbehörde und der Universität schriftlich als Ehrenerklärung versichert, dass diese Arbeit ohne fremde Hilfe und unerlaubte Hilfsmittel von ihm persönlich gefertigt wurde. Offensichtlich sind aber Teile der Arbeit vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages erarbeitet und verfasst, schlimmer noch es bestehen berechtigte Zweifel, ob die Arbeit nicht in Gänze von einem Ghostwriter geschrieben wurde.
      Als Akademiker Note ungenügend.

      Herr zu Guttenberg ist zwar kein Volljurist aber bereits für das erste Staatsexamen ist die Kenntnis der Tatbestände des Betruges, der Falschaussage und des Meineids unverzichtbar. Für das Promotionsverfahren darf man erwarten, dass der Doktorand sich mit der Promotionsordnung und für die Abgabe dieser Ehrenerklärung mit dem Sinn und Zweck vertraut gemacht hat.
      Stattdessen erklärt Herr zu Guttenberg zunächst, er wird seinen Titel „ruhen lassen“. Das kann er rechtlich nicht. Der Titel ist Bestandteil des Namens. Er sollte sich besser in „von Guttenhausen“ umbenennen lassen.
      Ferner spricht er von gravierenden Fehlern. Wie konnte eine solche Arbeit das höchste Lob erhalten???
      UNGLAUBLICH:
      Unabhängig von seinen fragwürdigen Moralvorstellungen scheint er auch ein miserabler Jurist zu sein, denn die Universität kann einen Titel nicht so einfach ohne rechtliche Grundlage aberkennen.
      Die Formulierung „zurücknehmen“ verwendet der „Medienminister“ gezielt, um die Öffentlichkeit mal wieder für sich einzunehmen.
      Dann greift er in das Prüfungsverfahren der Universität Bayreuth ein, in dem er die Universität bittet seinen Titel zurück zunehmen, weil sie Fehler enthalte. Dann schwingt er sich auch noch als Promotionskommission auf und übernimmt auch gelichzeitig die Rolle des Doktorvaters und Ko-Korrektors. Er beurteilt seine Arbeit als fehlerhaft und kommt zum Ergebnis:
      Note ungenügend,
      und „fordert zur Rücknahme des Titels auf“.
      Ich hoffe, dass die deutsche Akademia diesem derben Trick nicht auf den Leim geht und sich keinem politischen Druck beugt. Ich hoffe ferner, die deutsche Akademia schaut dieses Mal der Uni Bayreuth auf die Finger! Kommt Herr zu Guttenberg so einfach davon, ist es mit Fairness und Anstand an deutschen Unis vorbei und der WERT deutscher akademischer Grade international nachhaltig zerstört, ja dem Gespött ausgesetzt. Soll der Titel „Doktor“ wirklich zum Schimpfwort werden?
      Dies schadet unserer Jugend und ihrer Zukunft. UND damit der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.
      Das ist kein Kavaliersdelikt.
      Offensichtlich kann man mit ersten Staatsexamen und zweifelhaften Moralvorstellungen in Deutschland nur eines werden, nämlich Minister im Kabinett Merkel.
      Schade, ich fand unsere Bundeskanzlerin bisher richtig gut. Die grösste Enttäuschung ist aber Herr zu Guttenberg für mich.
      Nein, viel schlimmer: ich muss mir eingestehen muss, wie unkritisch und naiv ich zunächst diesem „Verkäufer“ aufgesessen bin. Herr zu Guttenberg hat gezielt getäuscht, nicht nur in seiner Doktorarbeit, sondern jeden Tag als Politiker. Er hat mit den Emotionen der Bevölkerung gespielt und uns alle viel zu lange manipuliert.
      Wir sollten alle nochmals „Des Kaisers neue Kleider lesen“ und uns die Augen reiben und endlich daraus lernen.
      Herr Verteidigungsminister,
      in der deutschen Bundeswehr führen die Vorgesetzten durch Vorbild, charakterlich und fachlich. Der Massstab, den Sie beim Kapitän der Gorch Fock angelegt haben, muss auch für Sie gelten.
      Wenn Sie nur einen Funken Anstand und Würde besitzen, treten Sie ab! Denn jetzt könnten Sie ja nur noch Ihren Ghostwriter feuern.

  1. „Möglicherweise habe ich an ein oder anderer Stelle den Überblick über die Quellen verloren.“

    Und bei der Kundus-Affair ist ihm das nicht passiert, dafür gibt er uns sein Ehrenwort!

  2. Sehr gut. Ich weiß, es fällt schwer, das jetzt zu glauben, aber auch 100 abgespeicherte Versionen finden irgendwann mal ein Ende (Been there). Das gute Gewissen des Nichtabschreibers hinterher: Unbezahlbar. Auch wenn Du nicht Verteidigungsminister werden willst.

    (Gegen einen Ghostwriter spricht, dass KT den Wissenschaftlichen Dienst umfangreich an seiner Dissertation hat mitschreiben lassen: Wieso hätte er das tun sollen, wenn er schon einen anderen dafür bezahlt hat?)

  3. Also ich muss gestehen, dass ich nun auch nicht von Herzen CSU wählen würde, was einem in Norddeutschland ja zum Glück auch leicht fällt, was ich allerdings bemerkenswert finde ist die Frequenz in der gegen Guttenberg aggiert wird. Selbst wenn man das ein oder andere ihm zu lasten legt, ist es schon merkwürdig das in schöner Regelmässigkeit publiziert wird, die auch auffallend mit der Medienfrequenz übereinstimmt, ich vermute, dass in nächster Zeit noch zwei oder drei weitere Skandale gegen ihn laufen werden, das dürfte sehr nach PR aussehen, die vermutlich nicht mal aus feindlichen Reihen, sondern aus seiner Partei kommt. Was die Arbeit angeht, wenn ich da so einige Arbeiten anschaue die ich mittlerweile von Kollegen etc. gelesen habe, da finden sich auch Plagiate drin und wenn sich hunderte damit beschäftigen erst recht. passiert halt.

  4. Ha!
    Sie machen’s sich leicht. Bei Ihnen steht nichts von
    kleinen Kindern, die auch erst mal gezeugt und dann:
    „du du du, ja wo isser denn?“ erzogen werden wollen.
    Oder haben Sie das vorübergehend aufgeschoben?
    Ich betone:“Vorüber gehend“.

  5. Natürlich ist Dein Text polemisch. Und parteilich. Und überhaupt – und er trifft meine Gefühle genau. Danke für diesen Beitrag, wunderbar geschrieben und vor allem grundehrlich.

  6. Vor Jahren wurde Merkel zum neuen Bismarck ausgerufen. Guttenberg ist jetzt der neue Kennedy, der Künder einer neuen Epoche der bürgerlichen Werte, von Fleiß und Ehrlichkeit und Demut und Standhaftigkeit. Er ist der König des Boulevards, der Liebling der Parteifunktionäre, die Hoffnung aller Bürger die gerne vom Sofa aus ihrem Helden zujubeln.
    http://citizenseurope.wordpress.com/2011/02/22/merkel-ist-bismarck-guttenberg-ist-kennedy-eine-deutsche-legende/

  7. Bei dem Gespräch in der linkesten Kneipe wäre ich gerne dabei. Würde sogar mein eigenes Diktiergerät mitbringen und Stillschweigen wahren, versprochen. 🙂

  8. v.g. ist einfach ein scheisse bescheisser!!!
    hand immer in der hosentasche oder „och“ auf dem herzen macht den betrug auch nicht besser.

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