Komplize Google

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Kriminalist: Street View ist für Einbrecher nutzlos

Wieder einmal wird ordentlich Wind gemacht gegen Googles „Street View“. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner hat das Thema für sich entdeckt, Haus & Grund engagiert sich vermutlich erstmals in seiner Verbandgeschichte in Internetdingen und auch die Datenschützer sind wieder da – ach ja, inzwischen hat Bielefeld Google zur Suchmaschine-non-grata erklärt (der prustende Pressesprecher der Stadt will aber ausdrücklich nicht bestätigen, dass es sich dabei um einen von langer Hand geplanten Marketingcoup des Stadtrats für den Film „Die Bielefeld-Verschwörung“ handelt).

Wieder werden die üblichen Argumente aus der Mottenkiste geholt: Nicht nur, dass es ein Eingriff in die Privatsphäre sei, Garteneinfahrten und Fassadenputz aller Welt zu offenbaren (was das LG Köln in einem ähnlichen Fall für die schlichte Konsequenz sozialen Miteinanders erklärte). Nein, auch der Einbrecher-Döntje, den einst (leider nicht nur) der Datenschutzbeauftragte des Bundes Peter Schaar gegen das Projekt auftischte, musste von Frau Aigner wieder unter das verängstigte Volk gepeitscht werden: Demnach sei Google Street View ein prima Werkzeug für Kriminelle, insbesondere lohnende Einbruchsobjekte könnte man so lange im Voraus recherchieren.

Könnte das sein? Hockt die Unterwelt bald zwischen Kuhfuß, Dietrich und Taschenlampe vor dem Monitor und spaziert virtuell durch Berlin oder Bitterfeld? Hilft Street View Einbrechern bei ihrer „Arbeit“?

„Das kann ich ganz klar verneinen“, sagt Harald Schmidt auf die Frage. Schmidt weiß, wie Ganoven ticken, er ist Geschäftsführer der Zentralen Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Er bestätigt, was auch andere Kriminalisten betonen: Einbrecher handeln „zu großen Teilen spontan“. Auf gerade einmal 2-3 Prozent schätzt er den Anteil der gezielten Taten in diesem Bereich. „Wenn ich weiß, dass bei Ihnen ein Van Gogh hängt, dann gehe ich gezielt vor.“ Nur: Das dürften auch Googles Straßenfotos nicht ermitteln können. Für den Gelegenheitsdieb böte Street View daher keine Anhaltspunkte. „Der Einbrecher läuft durch die Straße, für den ist ein Haus so gut wie das andere.“

Der Planvolle hingegen weiß aus anderen Quellen, wo es etwas zu holen gibt. Man sehe etwa schon jetzt über Google Maps, wo Zuwege verlaufen – aber „im Zweifel geht manvor Ort“, sagt Schmidt und fügt sicherheitshalber hinzu: „Jeder Einbrecher kann gehen wohin er will“.

Man darf ergänzen: Und (auch) er darf dort sogar Fotos machen! Schmidts Aussagen haben auch andere Kriminalisten bestätigt, die jedoch nicht gleich namentlich zitiert werden wollten. „Die Begebenheit ändert sich doch ständig“, sagte ein Ermittler. „Wenn ich jetzt sehe, dass das Fenster auf Kipp steht, ändert sich das doch, bis ich wieder da bin!“ Eher ziehe er sich die „die Jacke an und gehe vor Ort, mal gucken“, sagt er.

Hm. Hört sich ein bisschen so an, als müsse der Hydra Internet diesmal nicht ein Kopf abgeschlagen werden, zumindest nicht wegen Einbruchsgefahr.

Nun sind das Informationen, die ich hier mal eben an einem lauen Nachmittag zusammengesammelt habe. Könnte das eine Bundesverbraucherministerin auch machen (lassen), bevor sie steile Thesen in Magazinen verbreitet? Anzunehmen, zu hoffen sogar. Aber warum hat sie es nicht getan? Technophobie? Internet-Angst? Zu viel Fernsehen? Vielleicht können Tatort-Fans mir helfen: Wird dort tatsächlich stets der lang recherchierte geniale Bruch verfilmt?

Gegen Google lässt sich einiges sagen. Das Schicksal der Rohdaten etwa muss geklärt sein – darauf pocht der für Google zuständige Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar vollkommen zurecht.  Street View-Gesichter und Nummernschilder müssen unkenntlich gemacht werden. Dass durch das Knipsen selbst bereits Persönlichkeitsrechte beeinträchtigt werden, bevor die Anonymisierung folgt – richtig!

Aber bitte: Schluss mit der Einbrecherfolklore.

Wie man etwas gegen Einbrecher unternehmen kann, teilt die Polizei übrigens hier mit: www.polizei-beratung.de/einbruchschutz

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5 Gedanken zu “Komplize Google

  1. Hier im Lande der Bedenkenträger wird das natürlich verboten. Irgendwann wird man es aber bereuen. Was würde man nicht dafür geben, durch das Berlin von 1911 virtuell spazieren gehen zu können.

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