Aus Lust an der Entlarvung

Allgemein, Porträt, Print

Obwohl der Jubilar Rolf Schälike heißt, stand die Feier ganz im Zeichen eines anderen: Das „Buskeismus-Treffen“, mit dem Schälike kürzlich seinen siebzigsten Geburtstag feierte, ist benannt nach Andreas Buske, dem Vorsitzenden der 24. Kammer für Zivilrecht am Landgericht Hamburg – allerdings nicht aus Zuneigung.
Der Physiker, Dolmetscher und Softwareunternehmer Schälike besucht die Verhandlungen des Richters Buske sooft es geht und protokolliert sie in aller Ausführlichkeit auf seiner Website im Internet. „Buskeismus“, das ist für Buske eine Schwäche der Justiz: Neue Technologien überfordern seiner Ansicht nach die Gerichte. Insbesondere die Urteile des Hamburger Gerichts zur Haftung von Bloggern seien viel zu restriktiv. Die Meinungsfreiheit leide am Deutungsprivileg der Juristen. „Ich bin Forscher, ich sammle nur“, erklärt Schälike seine Methode und lässt es listig klingen. Inzwischen beobachtet er auch die Gerichte in Köln und Berlin oder lässt sich dort von Freunden vertreten. Viele Prominente kennt er aus den Verfahren vor der Pressekammer.
Schälike hat die Grenzen der Meinungsfreiheit gründlich ausgelotet: Er stellte das angebliche Zitat eines gegnerischen Anwalts, das diesem noch im Gerichtssaal entglitten sein soll, ins Internet. Dafür wurde er unter dem Vorsitz von Andreas Buske zu einem Ordnungsgeld verurteilt. Schälike ging aber lieber in Haft – obwohl er finanziell gut dasteht. „Endlich war mir mein Knast sicher“, freut er sich. Man weiß nicht recht, ob es ironisch gemeint ist.
Schälike wurde 1938 im stalinistischen Moskau geboren, zum Zeitpunkt von Massenverhaftungen, als „die Sucht nach Entlarvungen immer mehr um sich griff“, wie seine Schwester in ihrer Autobiographie schreibt. Das Bezirksgericht Dresden verurteilte ihn vor der Wende wegen staatsfeindlicher Hetze, es folgte die Abschiebung. Erst 1990 wurde das Urteil aufgehoben. Manchen Interessenten hat Schälike die Reise zum „Buskeismus-Treffen“ finanziert. Er steckt viel Arbeit in den „Buskeismus“, spricht selbst von einer Sucht. Seinen Gesprächspartner mahnt er zur Sorgfalt: „Sonst sehen wir uns bei Buske!“ Es ist hoffentlich ironisch gemeint. hw.

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